Baugenossenschaft 1936-1986

Als die Wik Ende des vorigen Jahrhunderts von der Stadt Kiel eingemeindet wurde, war ihr Bild noch ganz von einem landwirtschaftlichen Charakter bestimmt, d.h. auf bewegten Böden lagen Felder, Wiesen, ein paar moorige Niederungen, Waldreste, hügelige Kuppen und ein zum Strand abfallendes Gelände. Dort befand sich das alte Dorf mit der Bucht und an den wenigen Landstraßen gab es hier und dort eingestreute Häusergruppen oder nur einzelne Gebäude.

 

Durch den Bau der breiten Prinz-Heinrich-Straße (heute Holtenauer Straße) bis zur Knorrstraße erhielt die Wik ein völlig anderes Gesicht. Die folgende Erweiterung der Straßenbahn bis in die Wik hinein brachte eine schnelle Verbindung des Stadtgebietes zum Norden und somit auch die Voraussetzung für eine langsam einsetzende städtische Entwicklung des neuen Stadtteils.

 

Andererseits wuchs bereits um 1900 ein ausgedehntes, landschaftlich schönes Waldgebiet heran auf den öden Mergelflächen, die durch den Kanalbau entstanden waren. Es entwickelte sich der "Stadtpark".

 

Nach einem Vierteljahrhundert wurde die schöne Lage der Wik von den ersten Siedlungsgenossenschaften entdeckt. Auf der bislang so stillen, ganz unbebauten Hohenradekuppe, über die bisher nur ein Fußpfad zur Projensdorfer Straße führte, wurde es 1935 mit einem Schlage lebendig. Auf ihr und rundum im Tal setzte überall der Spaten an. Aus dem Boden wuchs förmlich Haus um Haus, meist gleicher Art, nur mit Erd- und Obergeschoß als Doppelhaus, mit Garten und Vorgarten, und zwar an neuen Straßen und oben auf der Höhe um einen freien Platz. Wer kurz zuvor hier noch über das Feld gegangen war, sah sich erstaunt mit einem Male in einer kleinen Stadt für sich. Die neuen Straßen erhielten fast alle Namen nordschleswiger Städte: Hadersleben, Tondern, Tingleff, Lügumkloster und im Tal Flensburg. Die oberste Kuppe nannte man Knivsberg. So erwuchs im Ganzen eine wohl gelungene Wohnschöpfung. So schnell wie sie aufgebaut worden war, so schnell war sie auch bewohnt von durchweg jungen Familien mit Kindern, ein fröhliches Leben hier entwickelnd.

 

Das war auch die Stunde, in der sich im Jahre 1936 acht Bürger zusammenschlossen, um für sich und weitere hinzutretende Wohnungssuchende billige Kleinwohnungen zu erstellen. Am 5.Dezember 1936 gründeten sie die Baugenossenschaft Kiel-Wik e.G.m.b.H., deren erster Vorstand von den Herren Erich Gabler, Hans Greve und Heinrich Laß gebildet wurde.

 

Mit dem Architekten Fritz Kröger wurde in der Wik ein Baugelände in der Hohenrade erworben. Hier und in der Haderslebener sowie Tingleffer Straße entstanden innerhalb von zweieinhalb Jahren 104 Zwei- und Zweieinhalb-Zimmerwohnungen sowie ein Laden und ein Büro.

 

Schnell meldeten sich weitere Interessenten, um als Mitglied in der Genossenschaft gegen Zahlung von 900 Reichsmark einen Geschäftsanteil zu erwerben. Die monatliche Nutzungsgebühr für eine Zweizimmerwohnung betrug damals 35 Reichsmark. Das hinter den Häusern liegende Gelände musste von den jeweiligen Pächtern in mühevoller Handarbeit unter Zuhilfenahme von Feldloren planiert und zu der heutigen Form der Kleingärten angelegt werden.

 

Wie überall in Kiel hatte der 2.Weltkrieg auch in der Genossenschaft Bombenschäden angerichtet. So wurden die Häuser Tingleffer Straße 13, 12/14, 6 und 2, sowie Hohenrade 36/28 und Haderslebener Straße 4 und 8 mehr oder weniger stark zerstört. Reparaturen und Wiederaufbau waren bis 1950 beendet.

 

Bald darauf, nämlich in den Jahren 1951-1953, setzten neue Bautätigkeiten ein. Die bisher offenen Holzbalkons wurden abgerissen und durch gemauerte Verandaanbauten ersetzt.

 

Da noch immer eine große Wohnungsnot im Kieler Stadtgebiet herrschte, entschloss sich die Genossenschaft, am Ende der Tingleffer Straße weitere 26 Wohneinheiten zu erstellen, die 1956 bezogen werden konnten. Die Verandaanbauten für diese drei neuen Häuser wurden ca. 8 Jahre später fertig gestellt.

 

Etwa zur gleichen Zeit entstand am Ende der Haderslebener Straße ein Garagenhof mit 14 Fertiggaragen, die 1967 um 12 weitere ergänzt wurden.

 

Das in der Hohenrade befindliche Lebensmittelgeschäft Wöhlk (vormals Früchting) erweiterte man 1966 durch einen Anbau zur Haderslebener Straße.

 

Abschied von der Ofenheizung nehmen hieß es 1968, als durch den Einbau von Heizkörpern, die an das Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen sind, eine entscheidende Modernisierung durchgezogen wurde.

 

Abschließend sei noch das Einsetzen isolierverglaster Kunststoffenster erwähnt. Wenn sich auch das Gesicht der Häuser dadurch veränderte, so konnten die Heizkosten doch erheblich reduziert werden.

 

Heute verfügt die Genossenschaft über 133 Wohnungen mit 8760 qm an Wohn- und Nutzfläche sowie 42 Garagen, einen Laden, ein Büro und 3 Kinderspielplätze.

 

Um den uns von den Baugenossen der 1.Stunde übergebenen Grundbesitz zu erhalten und zu verwalten, wird es auch in den nächsten 50 Jahren weiterer Investitionen für Dacherneuerungen, Haustüren, Treppenhaus-Renovierungen usw. bedürfen.

 

Quelle: Jubiläumsschrift anläßlich der Jubiläumsfeier 50 Jahre Baugenossenschaft, 31. Mai 1986